序 · Zwei Arten von Shootings, zwei verschiedene Rahmen
Es gibt Shootings, die Menschen ganz bewusst buchen, weil sie sich selbst etwas schenken möchten. Und es gibt Projekte, die aus einer fixen Bildidee entstehen, bei denen ich schon sehr genau weiss, welche Stimmung, welches Model und welche Welt ich umsetzen möchte.
Beides hat seinen Platz. Pay-Shootings und TFP-Shootings funktionieren aber nicht gleich. Genau darum möchte ich hier einmal erklären, wie es bei mir abläuft, was mir wichtig ist und warum klare Kommunikation vor dem ersten Klick wichtiger ist als jede Nebelmaschine.
Pay-Shootings sind gebuchte Erlebnisse mit einem klaren Rahmen. TFP-Shootings sind ausgewählte Kreativprojekte mit gegenseitigem Nutzen.
Pay-Shootings: Wie es bei mir abläuft
Es gibt Shootings, die entstehen aus einer Idee. Andere aus einem lange gehegten Wunsch. Und manchmal schreibt mir jemand einfach mit dem schönen Satz: „Ich würde gerne einmal etwas Besonderes machen."
Genau dafür sind meine Pay-Shootings da.
Menschen buchen mich für ganz verschiedene Bereiche: Shibari, Fantasy, Nude Art, Bodypainting, dunkle Bildwelten, intime Portraits oder auch sehr persönliche Projekte, die irgendwo zwischen Selbstbild, Mut und kreativem Wahnsinn wohnen. Manche möchten sich selbst eine Freude machen. Andere möchten einem Menschen ein besonderes Geschenk machen. Und wieder andere spüren einfach, dass da ein Bild in ihnen schlummert, das endlich aus dem Kopf raus und vor die Kamera will.
Der erste Kontakt
Meistens beginnt alles mit einer Nachricht. Im Idealfall steht darin schon, in welche Richtung es gehen soll. Also zum Beispiel: Shibari, Fantasy, Indoor, Outdoor, Bodypainting oder etwas ganz Eigenes.
Wenn das noch nicht ganz klar ist, ist das überhaupt kein Problem. Dann frage ich nach. Was stellst du dir vor? Welche Stimmung darf es haben? Eher ruhig und sinnlich? Dunkel und edel? Verträumt? Kraftvoll? Düster? Ein bisschen „ich bin aus Versehen aus einem Fantasy-Roman gefallen und sehe dabei erstaunlich gut aus"?
Gerade im Fantasy-Bereich klären wir auch früh, ob es eher ein klassisches Shooting wird oder ob es in Richtung Composing geht. Wenn ein Bild stark bearbeitet, erweitert oder in eine andere Welt gesetzt werden soll, ist meistens klar: Studio ist sinnvoll. Dort habe ich Kontrolle über Licht, Pose, Ausdruck und alles, was später für die Bildbearbeitung wichtig ist.
Wenn es um Shibari geht
Bei Shibari-Shootings bin ich in der ersten Antwort noch etwas ausführlicher. Nicht, weil ich gerne kilometerlange Nachrichten schreibe, sondern weil mir Transparenz wichtig ist.
Ich weise ganz klar darauf hin, dass ich die Person während des Shootings berühren werde. Nicht irgendwie komisch, nicht beiläufig, nicht unangenehm, sondern weil Seile korrekt gesetzt werden müssen. Shibari ist körpernah. Seil liegt auf Haut, Kleidung, Muskeln, Gelenken und manchmal auch auf Stellen, bei denen man vorher wissen sollte, was man tut.
Darum kläre ich im Vorfeld Dinge wie:
- gesundheitliche Themen
- frühere Verletzungen
- Kreislauf, Taubheitsgefühle oder andere körperliche Besonderheiten
- Kleidung
- gewünschte Bildwirkung
- persönliche Grenzen
- Berührung und Kommunikation während des Shootings
Mir ist wichtig, dass niemand einfach ins Shooting stolpert und erst vor Ort merkt: „Hoppla, da passiert ja mehr Körperkontakt, als ich gedacht habe." Nein. Das soll vorher klar sein. Sicher, respektvoll und ohne Ratespiel.
Vor dem Shooting
Wenn Datum, Thema und Rahmen stehen, kommt die Person am Shootingtag zu mir. Bevor wir überhaupt die Kamera anschalten, setzen wir uns zuerst hin.
Es wird etwas getrunken. Wir besprechen nochmals in Ruhe, was geplant ist. Welche Outfits gibt es? Welche Stimmung wollen wir? Gibt es Beispielbilder? Gibt es Unsicherheiten? Gibt es Grenzen, auf die ich besonders achten soll?
Ich habe zwar für meine Angebote feste Zeitfenster, aber ich bin ehrlich: Wenn es einmal ein wenig länger geht, bin ich nicht der Mensch, der mit der Stoppuhr im Nebel steht und dramatisch „Das kostet jetzt aber extra!" ruft.
Natürlich gibt es einen Rahmen. Aber in diesen Bereichen ist mir wichtig, dass die Person nicht einfach abgefertigt wird. Für mich soll ein Shooting nicht nur ein Termin sein, sondern ein Erlebnis. Gerade wenn Menschen sich verletzlich zeigen, etwas Neues ausprobieren oder sich auf Seil, Haut, Ausdruck und Kamera einlassen, braucht es Raum.
Während des Shootings
Beim Shooting selbst leite ich meistens sehr viel an. Viele Menschen stehen nicht jeden Tag vor der Kamera und wissen nicht automatisch, wohin mit Händen, Blick, Schultern, Hüfte und diesem einen Gesichtsausdruck, der plötzlich aussieht, als hätte man vergessen, ob man den Herd ausgeschaltet hat.
Darum gebe ich Posing-Anweisungen. Ich schaue auf Haltung, Spannung, Licht, Ausdruck und Bildwirkung. Wenn mir im Vorfeld Beispielbilder geschickt werden, nutze ich diese als Orientierung. Aber ich kopiere sie nicht eins zu eins. Es geht nicht darum, ein fremdes Bild nachzubauen, sondern die Idee in meinem Stil umzusetzen.
Bei Shibari-Shootings wird Schritt für Schritt gearbeitet. Seile werden gesetzt, kontrolliert, fotografiert, angepasst, wieder fotografiert. Es entsteht ein Rhythmus aus Technik, Körpergefühl, Bildkomposition und Kommunikation.
Bei anderen Shootings wechseln wir Outfits, Lichtstimmungen oder Setups. Manchmal entsteht ein Bild sehr geplant. Manchmal passiert dieser kleine fotografische Zauber ganz nebenbei, wenn Pose, Licht und Ausdruck plötzlich zusammenfallen und die Kamera kurz sagt: „Ja, genau das."
Nach dem Shooting
Nach dem Shooting ist nicht einfach Schluss. Sehr oft setzen wir uns nochmals kurz zusammen, trinken etwas und tauschen Gedanken aus.
Wie war es? Was hat sich gut angefühlt? Gab es Überraschungen? Gerade bei Shibari oder intensiveren Bildthemen ist dieser Moment wichtig. Es ist ein kleines Runterkommen nach der kreativen Reise.
Danach erkläre ich nochmals den Ablauf mit den Bildern. Die Bezahlung erfolgt so, wie es vorher abgemacht wurde: bar, per Überweisung im Vorfeld oder am Shootingtag. Ich mag es unkompliziert, aber klar. Kein Rätselspiel, keine versteckten Kosten, kein „steht irgendwo im Kleingedruckten zwischen Vollmond und Blutpakt".
Die Bildauswahl
Innerhalb von 24 Stunden erhält die Person eine Voransicht aller entstandenen Bilder. Das sind die unbearbeiteten Originalbilder zur Auswahl.
Aus diesen Bildern kann dann die vereinbarte Anzahl ausgewählt werden, die im gebuchten Package enthalten ist. Wenn mehr Bilder gewünscht sind, ist das ebenfalls möglich. Die Preise dafür sind auf meiner Homepage ersichtlich.
Sobald ich die Auswahl erhalten habe, bearbeite ich die Bilder. In der Regel dauert das maximal sieben Tage. Danach werden die fertigen Bilder in voller Auflösung ausgegeben.
Warum mir dieser Ablauf wichtig ist
Ein Pay-Shooting ist für mich nicht einfach: Person kommt rein, Kamera klickt, Person geht wieder raus.
Es ist ein gemeinsamer Prozess.
Ich möchte, dass Menschen sich bei mir wohlfühlen. Dass sie wissen, was passiert. Dass sie Fragen stellen dürfen. Dass sie lachen dürfen. Dass sie unsicher sein dürfen. Dass sie sich ausprobieren dürfen, ohne das Gefühl zu haben, funktionieren zu müssen.
Denn am Ende geht es nicht nur um schöne Bilder.
Es geht um ein Erlebnis,
das im besten Fall bleibt.
Um ein Bild, auf dem man sich
nicht nur sieht, sondern vielleicht
auch ein kleines Stück mehr erkennt.
TFP-Shootings: Wenn die Idee schon im Kopf brennt
TFP bedeutet „Time for Print" oder heute eher „Time for Pictures". Früher bekam das Model Abzüge, heute bekommt es digitale Bilder. Der Grundgedanke ist aber derselbe geblieben: Beide Seiten investieren Zeit, Können und Energie, ohne dass Geld fliesst. Dafür entsteht ein gemeinsamer kreativer Nutzen.
Und genau da liegt für mich der wichtigste Punkt.
TFP heisst nicht: „Ich brauche schnell kostenlose Bilder." TFP heisst auch nicht: „Der Fotograf sucht einfach jemanden vor der Kamera." Und es heisst definitiv nicht: „Gratis Shooting, juhu, ab ins Körbchen damit."
TFP funktioniert für mich nur dann, wenn beide Seiten etwas davon haben. Nicht irgendwie theoretisch, sondern wirklich. Das Model bekommt Bilder, die ins Portfolio passen oder eine Seite zeigen, die bisher gefehlt hat. Ich bekomme die Möglichkeit, eine Idee umzusetzen, die in meinem Kopf schon längst mit Fackel und Nebelmaschine herumspaziert.
Wie TFP bei mir entsteht
Bei meinen TFP-Shootings ist es meistens so: Ich habe zuerst das Bild im Kopf.
Nicht einfach grob „irgendwas Schönes", sondern oft schon sehr konkret. Stimmung, Licht, Körperhaltung, Seile, Location, Farben, Ausdruck, Bildwirkung. Manchmal sehe ich dieses Bild innerlich schon fixfertig, bevor überhaupt eine Kamera in der Nähe ist.
Und meistens habe ich dann auch schon das passende Model dazu im Kopf.
Dann schreibe ich die Person direkt an. Nicht mit einem schwammigen „Hättest du mal Lust auf Shooting?", sondern mit einer klaren Idee. Ich erkläre das Konzept, die Bildwelt, den Aufwand und warum ich genau diese Person dafür passend finde.
Wenn das Model darauf Lust hat, schauen wir gemeinsam nach einem Datum und planen die Umsetzung. Bisher war das mit den Models, mit denen ich solche Projekte gemacht habe, meistens sehr unkompliziert, klar und angenehm. Und genau so soll es auch sein. Kreative Arbeit darf aufwendig sein, aber sie muss nicht kompliziert werden wie ein Möbelstück aus Schweden ohne Anleitung.
TFP mache ich selten, aber wenn, dann richtig
Ich mache TFP-Shootings inzwischen eher selten. Nicht, weil ich keine Lust darauf habe, sondern weil meine TFP-Projekte meistens aufwendig sind.
Wenn ich so ein Projekt plane, dann will ich nicht einfach ein bisschen herumprobieren. Dann steckt da eine klare Idee dahinter. Und manchmal auch ziemlich viel Material, Vorbereitung und Organisation.
Ein gutes Beispiel dafür war dieses Jahr ein grosses Shooting in den Sandsteinhöhlen. Für dieses Projekt waren wir nicht einfach zu zweit unterwegs. Es waren das Model, drei Helfer, ein Making-of-Fotograf und ich dabei.
Die Sandsteinhöhlen wurden mit rund 300 LED-Kerzen ausgeschmückt. Das war kein kleines „wir nehmen mal schnell eine Lichterkette mit"-Ding, sondern ein richtiges Projekt. Schleppen, aufbauen, Licht setzen, Stimmung schaffen, Sicherheit beachten, Shooting durchführen, abbauen.
Aber genau solche Projekte liebe ich.
Ich hatte das Bild im Kopf. Ich wusste, welches Model dazu passt. Und am Ende entsteht dann nicht einfach ein Foto, sondern eine kleine Welt. Eine Szene, die vorher nur in meinem Kopf gewohnt hat und dann plötzlich real wird.
Öffentliche TFP-Ausschreibungen
Ab und zu mache ich auch öffentliche Ausschreibungen für TFP-Shootings. Aber auch da schreibe ich sehr klar aus, was ich suche. Ich beschreibe das komplette Konzept, den Modeltyp, den Zeitraum und die Anforderungen.
Wichtig ist mir dabei: Das Portfolio muss öffentlich einsehbar sein. Ich möchte sehen können, ob jemand Erfahrung hat und ob die Person zum Projekt passt. Das hat nichts mit Arroganz zu tun. Es geht schlicht darum, dass gewisse Projekte bestimmte Voraussetzungen brauchen.
Wenn ich zum Beispiel ein Fantasy-Shibari-Shooting mit Suspension plane, dann brauche ich ein Model, das Erfahrung mit Shibari, Fesseln oder zumindest körpernaher Arbeit hat. Wenn sich dann jemand meldet, der noch nie Berührung mit Seil hatte, dann passt das für dieses Projekt nicht. Nicht, weil die Person schlecht wäre. Sondern weil das Projekt nicht der richtige Einstieg ist.
Man setzt auch niemanden beim ersten Fahrversuch direkt in einen Lastwagen mit Anhänger, Nebelmaschine und Drachenkopf auf der Motorhaube. Sieht zwar spektakulär aus, endet aber vermutlich nicht schön.
Wenn Models Fotografen suchen
Natürlich kommt es auch vor, dass Models selbst eine Ausschreibung machen und Fotografen suchen. Wenn mich so eine Idee anspricht, melde ich mich manchmal ebenfalls. Aber auch dann schreibe ich nicht einfach: „Hey, ich will."
Ich stelle mich kurz vor, erkläre meine Erfahrung in dem Bereich und schreibe, warum ich mir vorstellen könnte, das Projekt umzusetzen. Dann verweise ich auf meine Homepage oder meine Social-Media-Kanäle, damit das Model meinen Stil anschauen kann.
Denn genau das ist mir wichtig: Es muss passen. Wenn mein Stil gefällt, wunderbar. Dann kann man weiterschauen. Wenn nicht, ist das völlig in Ordnung. Nicht jedes Projekt braucht mich und nicht jedes Model passt zu meiner Bildsprache. Das ist kein Drama, sondern einfach ehrliche kreative Auswahl.
TFP ist kein Gratis-Shooting
Der vielleicht wichtigste Satz in diesem ganzen Thema:
TFP ist kein Gratis-Shooting.
TFP ist ein Austausch.
Beide Seiten investieren Zeit, Energie, Erfahrung, Vorbereitung und Vertrauen. Darum muss der Nutzen für beide Seiten stimmen.
Ein Model stellt sich nicht einfach gratis vor die Kamera, damit ich mein Portfolio füttere. Und ich fotografiere nicht einfach gratis, damit jemand schnell neue Bilder bekommt. Beides wäre nicht fair.
Ein gutes TFP-Projekt entsteht dort, wo sich die Interessen überschneiden. Wo beide etwas davon haben. Wo das Model sagt: „Diese Bilder bringen mich weiter." Und ich sage: „Dieses Projekt bringt meine Bildwelt weiter."
Dann wird TFP spannend. Dann ist es nicht kostenlos. Dann ist es wertvoll.
Warum ich bei TFP so klar bin
Ich glaube, TFP wird heute leider oft falsch verstanden. Viele sehen nur: Es fliesst kein Geld. Also ist es gratis.
Aber das stimmt nicht. Zeit ist nicht gratis. Erfahrung ist nicht gratis. Planung ist nicht gratis. Vertrauen ist nicht gratis. Und kreative Energie schon gar nicht.
Gerade bei aufwendigeren Projekten steckt oft sehr viel Arbeit dahinter: Konzept, Location, Licht, Helfer, Material, Kleidung, Seile, Sicherheit, Kommunikation, Bildbearbeitung und am Ende natürlich die fertigen Bilder.
Darum bin ich bei TFP inzwischen sehr klar. Ich mache es selten, aber bewusst. Ich suche nicht einfach „irgendwen". Ich suche die passende Person für eine bestimmte Idee. Und wenn alles zusammenpasst, kann daraus etwas entstehen, das weit über ein normales Shooting hinausgeht.
Dann ist TFP für mich nicht Sparprogramm, sondern kreative Zusammenarbeit. Nicht „kostenlos". Sondern gemeinsam investiert.
結 · Mein Fazit
Pay-Shootings und TFP-Shootings sind für mich zwei verschiedene Wege, aber beide brauchen dasselbe Fundament: Respekt, Kommunikation und eine klare Vorstellung davon, was entstehen soll.
Beim Pay-Shooting steht das Erlebnis der buchenden Person im Zentrum. Sie kommt mit einem Wunsch, einer Idee oder einer Neugier zu mir, und ich begleite sie in meinem Stil durch diesen Prozess.
Beim TFP-Shooting steht eine gemeinsame kreative Idee im Zentrum. Es ist kein Ersatz für ein bezahltes Shooting, sondern ein Projekt, das beide Seiten weiterbringen soll.
Wenn diese Unterschiede klar sind, können beide Formen etwas Schönes werden: einmal als bewusst gebuchtes Erlebnis und einmal als kreative Zusammenarbeit, bei der eine Bildwelt plötzlich aus dem Kopf in die Realität fällt.
Gute Bilder entstehen nicht nur durch
Kamera, Licht und Bearbeitung.
Sie entstehen dort, wo Menschen wissen,
worauf sie sich einlassen, und genug
Vertrauen da ist, damit vor der Kamera
etwas Echtes passieren darf.
— Stjepan