用語 · Glossar

Begriffe rund ums Seil.

Eine kurze Übersicht der Begriffe, die in meinen Geschichten, Coachings und Workshops immer wieder vorkommen.

Japanische Begriffe lassen sich selten 1 : 1 übersetzen. Das Folgende ist kein Lexikon, sondern meine Lesart — geprägt durch Praxis, Lehrer und die Texte, die ich hier teile.

Japanische Konzepte

縛り Shibari
Die moderne japanische Kunst des ästhetischen Fesselns mit Seil. Lebt von Konsens, Vertrauen, Kommunikation und der gemeinsamen Gestaltung von Spannung, Form und Begegnung. Steht im Kontrast zur historischen Hojojutsu, deren Ursprung in der Festnahme liegt.
縄術 Hojojutsu
Die historische japanische Kunst, jemanden mit Seil zu fangen, zu sichern und festzuhalten. Setzt sich zusammen aus Ho (fangen), Jo (Seil) und Jutsu (Kunst/Fertigkeit). Wurde in der Edo-Zeit von Samurai und Polizei eingesetzt — mit Codierung durch Seilfarbe, Knotenart und Rang. → Mehr im Essay
Ma
Der ästhetische, räumliche oder zeitliche Zwischenraum. Nicht Abwesenheit, sondern Raum, in dem Bedeutung entstehen kann. Zentral in japanischer Architektur, Musik, Kalligraphie — und im Shibari als bewusst gehaltener Moment vor, zwischen und nach der Bewegung.
Aida
Dasselbe Schriftzeichen wie Ma, aber als aida gelesen — der zwischenmenschliche Raum. Nach dem Phänomenologen Kimura Bin entsteht das Ich erst im Aida mit anderen — wir sind nie isolierte Inseln. → Mehr im Essay
一期一会 Ichigo Ichie
„Einmal — eine Begegnung." Japanisches Sprichwort, das die Einzigartigkeit jedes Moments zwischen zwei Menschen betont. Im Shibari: jede Session ist unwiederholbar, weil das Aida nur einmal entsteht. → Mehr im Essay
En
Die Verbindung, die uns vorausgeht und überdauert. Nicht Besitz, nicht Versprechen, sondern eine leise Spur, die bleibt, wenn der Moment längst vorbei ist. Das Schluss-Symbol im Footer dieser Seite.
余白の美 Yohaku no bi
„Die Schönheit des unausgefüllten Raums." Ästhetisches Prinzip der japanischen Kalligraphie und Malerei: der leere Raum auf dem Papier ist nicht ungenutzt, sondern Teil der Komposition.
呼吸 Kokyū
Atem. In der japanischen Bewegungs- und Kampfkunst nicht nur biologische Funktion, sondern Werkzeug der Präsenz, Regulation und Verbindung. → Mehr im Essay
Nen
Absicht, Gedanke, innerer Impuls. Das, was im Inneren entsteht, bevor das Seil den Körper berührt — der unsichtbare Anfang einer Fesselung. → Mehr im Essay
実戦 Jissen
„Echter Kampf" — die Realität jenseits der sauberen Trainingsform. Beschreibt den Unterschied zwischen statischer Technik und chaotischer, dynamischer Anwendung im Ernstfall. → Mehr im Essay
Ryū
Schule oder Stil — in den japanischen Kampfkünsten und Künsten. Über 150 verschiedene Ryū sollen sich historisch mit Hojojutsu beschäftigt haben.

Shibari-Technik & Bindungen

TK (Takate Kote)
Klassische Brustfesselung im Shibari, bei der die Arme hinter den Rücken gebracht werden. Anspruchsvoll für Schultern, Brustmuskulatur und Nervenstrukturen — nicht für jeden Körper geeignet. → Mehr zur Schulter im Essay
Futomomo
Bein- und Oberschenkel-Bindung. Eine der ambivalentesten Bindungen im Shibari — fordernd, ästhetisch und stark im Ausdruck. → Workshop am 06.09.2026
Hayanawa
Das „schnelle Seil" im historischen Hojojutsu — wurde für die erste Festnahme verwendet, bevor das längere Hauptseil (Hon-nawa) zum Einsatz kam.
Hon-nawa
Das „Hauptseil" im historischen Hojojutsu — für die sichere, längere Fesselung nach der ersten Festnahme.

Die vier Werte: 礼・信・美・安

Diese vier Zeichen bilden für mich das Fundament jeder Arbeit mit Seil und Mensch. Sie sind nicht vier Werte nebeneinander, sondern vier Aspekte eines einzigen Phänomens: eines gelungenen Zwischenraums. → Vertiefung im Ma·Aida-Essay

Rei — Respekt
Im Budō: „Mit Rei beginnt es, mit Rei endet es." Die Geste, die einen Raum bewusst öffnet — und damit aus zufälliger Nähe einen klaren Begegnungsraum macht.
Shin — Vertrauen
Verbindet Mensch und Wort. Wächst durch kleine, wiederholte Erfahrungen — nicht durch grosse Versprechen. Ein einziger unachtsamer Moment kann Vertrauen erschüttern; viele kleine, verlässliche Momente können es aufbauen.
Bi — Ästhetik
Schönheit als Frequenz eines stimmigen Zwischenraums. Erscheint, wenn das Aida in Ordnung ist — lässt sich nicht erzwingen, nur einladen.
An — Sicherheit
Mehr als reine Risikominimierung. Auch der Raum, in dem etwas zur Ruhe kommen darf. Hat im Shibari zwei Seiten: körperliche und psychische Sicherheit.

Sicherheit & Praxis

Konsens
Ausdrückliche, freiwillige und informierte Zustimmung. Grundlage jeder Seilarbeit. Ohne Konsens bleibt nur Kontrolle. Mit Konsens kann aus Kontrolle eine gemeinsame Sprache entstehen.
Aftercare
Bewusster Abschluss einer Session. Mehr als Sicherheits-Massnahme — der Moment, in dem das geöffnete Aida nicht abrupt abreisst, sondern sanft ausklingt. Kann Gespräch, Stille, Wasser, Decke, Nähe oder Abstand bedeuten.
Schutzspannung
Die körperliche und psychische Anspannung, mit der ein Körper sich vor Verletzung schützt. Steigt unter Druck und Adrenalin. Im Shibari wichtig wahrzunehmen, weil sie die Bindung verändert.
Warnsignale
Körperliche Hinweise, die im Seil immer ernst genommen werden müssen: Kribbeln, Taubheit, deutliche Schwäche, ausstrahlender Schmerz, verändertes Gefühl in Arm oder Hand. Dann wird angepasst, gelöst oder abgebrochen.
Cina
Die chinesische Selbstverteidigung — Teil der Kung-Fu-Tradition. Wird statisch oft so unterrichtet, dass sie im chaotischen Ernstfall nicht trägt. → Mehr im Essay

Material & Verwandtes

Jute / Tossa Jute
Die primäre Naturfaser für hochwertige Shibari-Seile. Tossa Jute hat besonders lange, weiche Fasern. Die Seile von Art of Hojojutsu sind 100 % Tossa Jute, 5 mm Durchmesser, 8 m lang, drei-litzig und gewachst & geölt (vegan behandelt). → Zum Shop
Kintsugi
Japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Goldlack zu reparieren — sodass die Bruchstellen Teil der Schönheit werden. Ein wiederkehrendes Bild in meiner Arbeit: nicht trotz, sondern wegen der Linien wird etwas wertvoll.

Du vermisst einen Begriff oder hast eine andere Lesart? Schreib mir.